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H ohne Furcht (Zovanin senza paura)

Eine Witwe hatte einen Sohn Namens H der war unerschrocken und konnte nie begreifen, was denn die Furcht sei. Daher sagte er einstmals zu seiner Mutter: „Ich will in die Welt gehen und die Furcht suchen.“

Er ging. Es dauerte nicht lange, so kam er an einem Schlosse vor und er fragte, wem es geh Man erwiederte ihm, es sei ein Geisterschloss und es k Niemand darin wohnen, ja nicht einmal eine einzige Nacht dort zubringen, ohne Leib und Leben zu verlieren. Da dachte er sich: „Ist mir gerade recht, vielleicht find‘ ich dort, was ich suche und weiss dann doch einmal, was die Furcht ist“!

Er ging in das Schloss und weil es schon am Einnachten war, trat er in die K sich ein S zu kochen. Als das Feuer loderte und die Suppe brodelte, fiel ein Todtenkopf aus dem Kamine herab; doch H erschrack darob nicht im mindesten und warf ihn in einen Winkel. Darauf kam ein Arm, eine Hand, ein Bein herab und so fielen allm alle Gebeine eines menschlichen K nieder und H warf immer flink eines nach dem andern in den Winkel. Nun wollte er sein S essen, da fing es im Winkel an zu kollern und zu klappern, die Gebeine f sich aneinander und es entstand ein Knochenmann, wie man ihn auf den Todtenfahnen sieht, der kam und trug H fort. „Du bist ein braver Mann“, sagte H „du ersparst mir die M zu gehen, aber mein S h du mich schon essen lassen k Doch trag mich fein behutsam und thu‘ mir mit deinen spitzen Knochen nicht wehe, h du? Ich mag eben nicht viel Spass verstehen.“

Der Knochenmann sezte H in einem Zimmer nieder, da stand eine grosse gedeckte Tafel. „Gerade recht“, sagte H „du hast es schon errathen, dass ich hungrig bin.“ Er sezte sich zu Tische und liess sich’s schmecken. W er ass, entstand draussen L es kam ein Zug von zwanzig Bruderschaftlern mit langen weissen Hemden herein und stellte sich um den Tisch. „Was steht ihr lange und gafft?“ rief H „seht ihr nicht, dass der Tisch gedeckt und daf da ist, dass ihr zugreift?“ Da thaten die Gespenster, als wollten sie sich niedersetzen, schlugen aber St und Teller aneinander und vollbrachten einen grausigen L „Ist das auch eine Art?“ rief H „wartet, ihr Flegel, ich will euch lehren, wie man sich zu Tische sezt!“ Und er ergriff einen Kn und fing an so herzhaft loszuschlagen, dass die Gespenster unter Ach und Weh zerstoben, zu Th [T und Fenstern und das Stiegengel hinaussprangen und nicht wieder kamen.

H sezte sich wieder hin und ass, da kam ein langer Zug gespenstiger Nonnen herein imd stellte sich um den Tisch. „Aber leistet mir doch Gesellschaft und esst auch mit!“ sagte H und dachte, die w sich manierlicher und sittsamer benehmen. Als sie aber dasselbe Ger machten wie die fr bediente sie H in gleicher Weise und konnte darauf ruhig essen, bis er satt war.

Nun legte sich H in’s Bett, aber er konnte nicht schlafen. Da fiel sein Blick auf die Wand neben dem Bette, dort stand eine hohe B und H langte sich ein Buch herab und las. Da kam ein Gespenst hereingeschlichen und fing an die B alle durch einander auf den Boden zu werfen. H sah ruhig zu, bis das lezte Buch auf dem Boden lag. Wie nun das Gespenst wieder fort wollte, sprang H aus dem Bette, fasste es am Genicke und rief: „Weil du die B alle herum geworfen hast, so sollst du sie auch alle wieder aufheben und in Ordnung stellen.“ Und das Gespenst musste gehorchen und als die B wieder in Ordnung waren, stiess H dasselbe bei derTh hinaus.

H wollte nun schlafen; da schlich ein anderes Gespenst herein und fing an seiner Bettdecke zu zupfen an. „Zieh‘ nur zu“, dachte H Und das Gespenst zog, bis die Decke herabfiel und wollte wieder fort. Aber H war flink auf den Beinen, fasste es am Genicke und sagte: „Hast du die Decke herabgezogen, so kannst du sie wieder hinauf legen.“ Da legte das Gespenst die Decke wieder aufs Bett und verschwand.

H aber dachte sich nun: „Den n der kommt, will ich doch beschw und fragen, was er will.“ Es dauerte nicht lange, da trat abermals ein Gespenst herein und H rief:

„Bleib fern drei Schritte und erz Mir deine Leiden, irdische Seele!“

Da winkte das Gespenst und H folgte ihm nach die Stiegen hinab in einen Keller; da zeigte der Geist auf eine Steinplatte und sagte: „Heb sie auf!“ Aber H erwiederte: „Ich habe sie nicht nieder gelegt und hebe sie auch nicht auf.“ Da hob das Gespenst die Platte auf und in der Tiefe standen zwei F voll Geld. „Nimm sie heraus!“ sagte das Gespenst. „Ich habe sie nicht hinein gestellt und nehme sie auch nicht heraus!“ erwiederte H Da stieg das Gespenst hinab und hob die F herauf; dann sprach es: „Von dem Gelde des einen dieser F lass mir Messen lesen, damit ich erl werde, das andere aber geh dir, weil du so muthig gewesen bist.“ Dann verschwand der Geist.

H konnte nun die Nacht ruhig schlafen. Am folgenden Tage er das eine Geldfass der Kirche, damit die Messen gelesen und die guten Werke ge w das andere aber behielt er f sich sammt dem Schlosse und war nun ein reicher Mann, der ein gem sch Leben haben konnte, wenn er nur wollte.

Aber er wollte nicht. „Die Furcht“‚, sagte er oft, „was ist denn die Furcht? Ich muss sie kennen lernen.“ Er ging und kaufte sich ein grosses Schwert, mit welchem er abermals in die Welt zog. Er kam zu einem Brunnen, da hob eine grosse Schlange ihren Kopf aus dem Wasser. Flink war H bei der Hand und hieb ihr mit einem Streiche den Kopf weg. Aber die Schlange tauchte unter, da wuchs ihr im Wasser der Kopf wieder an den Rumpf und sie hob ihn sogleich noch h empor. H schlug ihr denselben wieder ab, die Schlange tauchte unter und streckte den Kopf abermals das Wasser hervor. Da liess H die Schlange, wo sie war, dachte sich aber: „Dieses Wasser muss eine grosse Wunderkraft haben!“ und ging und f sich eine grosse Flasche damit an. Darauf zog er seines Weges weiter.

Auf dem Wege begegnete er einem Manne mit einem Esel. „Seid so gut“, sagte H „und erlaubt mir, dass ich Eurem Esel den Kopf abhaue.“ „Bewahre Gott“, sagte der Mann, „ich bin ein armer Teufel und habe nichts als diesen Esel, den lass‘ ich mir nicht t „Aber ich mach‘ Euch den Esel ja wieder lebendig“, sagte H „und wenn dem nicht so ist, zahl‘ ich ihn Euch doppelt.“ Nun willigte der Mann ein, H fuhr mit dem Schwerte aus und hieb dem Esel den Kopf weg. Dann goss er ein wenig Wunderwasser auf die wunde Stelle, sezte den Kopf wieder an den Rumpf und der Esel pl und ging wieder seines Weges, als w nichts geschehen. Darauf sagte H „Nun will ich Euch selbst den Kopf abhauen und ihn dann wieder aufsetzen.“ Der Mann wollte nichts davon wissen; als ihm aber H viel Geld bot, liess er es geschehen. H hieb ihm den Kopf ab und sezte ihn dann mittelst des Wunderwassers wieder auf; da war der Mann froh, denn er hatte nicht gelitten und bekam viel Geld. Als er schon eine Strecke weit fort war, rief ihm H nach, er solle zur Als der Mann kam, sagte H „Nun hau auch mir den Kopf ab und setze mir ihn wieder auf.“ Der Mann wollte es nicht thun, aber endlich willigte er ein und hieb H den Kopf ab; allein er war ungeschickt und sezte ihm den Kopf verkehrt auf. Als er sah was er gethan, erschrack er und ritt auf seinem Esel schnell von dannen.

H wollte ihm nachlaufen, aber es ging nicht an und er schritt sehr verdriesslich langsam weiter. Im n Geh hielt er an; als er sich aber so selbst von hinten sah, erschrack er so, dass er daran starb und ihm all sein Geld und sein Schwert und sein Wunderwasser nichts mehr n So hat H die Furcht auf eine Weise gefunden, wovon er sich, so lange sein Kopf mit dem Gesichte nach vorn auf seiner Schulter stand, gewiss nie h etwas tr lassen m Etwas verschieden erz die lebendige Chronik der Spinnstuben auf Folgareit’s gar sch wald und wiesenreichen H die Geschichte von Hans ohne Furcht. Auch dieser Hans vollf unterschiedliche Heldenthaten [Heldentaten], weil er die Furcht sucht. Er schl die Gespenster eines Schlosses und erl sie und das Schloss, spielt nachts im Kirchthurm mit Geistern Karten und gewinnt ihnen alles Geld ab aber die Furcht findet er nicht. Endlich steht er eines Tages vor dem Spiegel und sieht auf seinem Gesichte einen Floh, der springt hin und her und ger zulezt in Ohr. Da vernimmt Hans ein Brausen und ein Rauschen und einen solchen L als br alle Thiere der Welt und l alle Kirchenglocken der Christenheit zusammen; er erschrickt und zittert heftig und f todt zu Boden. So hat er bloss durch einen Floh die Furcht und den Tod dazu gefunden.
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